Kleinwuchs

Kilian mit seinen Kollegen der Feuerwehr

Kilian ist 19 Jahre alt und Sanitär.
Seine Hobbies sind Angeln, Motocross fahren, die Feuerwehr, Fotografieren und Gitarre spielen.
Soweit ein ganz gewöhnlicher Teenager. Nur etwas unterscheidet ihn äusserlich von seinen Kollegen: Seine Grösse. Denn Kilian ist kleinwüchsig.
Als kleinwüchsig gelten die kleinsten drei Prozente der Bevölkerung. Bei ausge-
wachsenen Personen spricht man bis zu einer Grösse von 150 cm von Kleinwuchs.

Weshalb sind manche Leute so klein?
Die Grösse eines Menschen wird hauptsächlich durch seine vererbten Gene bestimmt.
Mit dieser Formel kannst du deine ungefähre Endgrösse berechnen:

Jungen:          (Grösse Vater + Grösse Mutter + 6,5) / 2
Mädchen:       (Grösse Vater + Grösse Mutter –  6,5) / 2

Bei kleinen Eltern ist es also wahrscheinlich, dass auch die Kinder relativ klein sind.
Dennoch: Es ist nicht unmöglich, dass zwei Kleinwüchsige ein normalgrosses Kind bekommen. Wie gross ein Kind wird, hängt nicht nur von den Genen ab. Ursachen für Kleinwuchs können auch chronische Krankheiten, Hormonstörungen oder Chromosomenstörungen sein.

Die häufigsten Kleinwuchsformen

Familiärer Kleinwuchs
Familiärer Kleinwuchs geht nicht auf eine krankhafte Ursache zurück, sondern ist erblich bedingt. Mindestens ein Elternteil ist dabei ebenfalls sehr klein, deshalb liegt die Endgrösse des Kindes unter dem Norm. Das Wachstum des Kindes ist aber ganz normal im Vergleich zu Gleichaltrigen. Es ist durch keine Therapie möglich, das Wachstum zu verstärken.

Hormoneller Kleinwuchs
Wenn manche oder weitgehend alle Hormone, welche das Wachstum beeinflussen, fehlen, liegt eine Hormonstörung vor. Im Gegensatz zu anderen Kleinwuchsformen gibt es eine wirksame Therapie. Durch zuführen der fehlenden Hormone kann eine normale Grösse erreicht werden.

Chromosomenstörungen
Wenn vererbte Chromosomen von der Art und Struktur her von der Norm abweichen, spricht man von einer Chromosomenstörung. Diese können sehr vielfältig und unterschiedlich sein. Meistens führen sie zu einer Behinderung mit Wachstumsstörung.

Skelettdysplasien
Das sind Entwicklungsstörungen der Knorpel und Knochen. Dabei kann es zu Veränderungen des Skelettes kommen, meistens in Form einer Verschiebung der Körperproportionen. Darunter fällt auch die Achondroplasie. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Schwierigkeiten im Alltag
In unserer Sendung hast du Kilian kennengelernt. Er hat die sogenannte Achondroplasie. Dabei ist der Rumpf zwar normalgross, die Beine und Arme aber verkürzt.
Manche Dinge, über die du wahrscheinlich nicht einmal nachdenkst, weil sie so alltäglich sind, sind für ihn mit Schwierigkeiten verbunden. Beispielsweise das Autofahren oder einen Knopf im Lift drücken. Dennoch hält ihn das nicht davon ab, all diese Dinge zu tun. Durch seine Hilfsmittel wie Leitern, kleine Böcklein, aufgesetzte Pedalen beim Autofahren oder durch das Bitten nach Hilfe erreicht er immer sein Ziel. Allgemein bittet er lieber um Hilfe als dass er sie angeboten bekommt. Der Grund dafür ist einfach: „Es ist mir unangenehm, wenn mir alle Hilfe anbieten, weil ich grundsätzlich selbständig bin.
Kilian war von an Anfang an in die Welt der Grösseren integriert. Er besuchte die gewöhnliche Schule, wo er keine Sonderbehandlung genoss. Nach der Schule machte er eine Berufslehre als Sanitär. Momentan baut er gerade sein eigenes Geschäft auf. Früher wäre das unmöglich gewesen. Kleinwüchsige hatten bloss im Zirkus Karrierechancen.

„Ich habe eine Berufslehre als Sanitär gemacht, das hätte niemand erwartet.“ – Kilian

Kilian kennt zwar auch andere Kleinwüchsige, sein Freundeskreis besteht aber aus Normalgrossen. Manche davon sind auch 2 Meter gross. Kilian selbst sagt: „Das war nie ein Problem.“
Dass er kleinwüchsig ist, hat ihn nie gross gestört. An die Blicke, die man ihm auf der Strasse zuwirft, hat er sich gewöhnt.
Er wünscht sich jedoch noch etwas mehr Akzeptanz von der Öffentlichkeit und mehr Bildung für Junge. Besonders Kinder zeigen oft mit dem Finger auf ihn, doch dafür hat er Verständnis: „Das sind Kinder. Sie sind neugierig weil sie nicht wissen, warum ich so klein bin. Ich sehe da eher die Schulen und vor allem die Eltern in der Pflicht. Sie sollten die Kinder nicht ausschimpfen, weil sie mich anstarren, sondern erklären, was ich habe“, meint Kilian.
Im Allgemeinen fühlt er sich aber von der Gesellschaft als Kleinwüchsiger akzeptiert und integriert.

„Man darf nicht nur die Nachteile sehen, man kann dennoch rausgehen und das Beste aus der Situation machen.“ – Kilian

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