Genmanipulation

In der YouthEdition 068 ging es unter anderem um Gentechnik und Genmanipulation. Wir haben mit einer Befürworterin (Frau Daniela Suter, Gen Suisse) und einem Gegner (Herr Paul Scherer, Schweizerische Arbeitsgruppe Gentechnologie SAG) über die verschiedenen Gentechniken und die Pro und Contras gesprochen.

Rote, Weisse und Grüne Gentechnik

Natürlich angepflanzter Mais und Genmais

Laut Frau Suter bezeichnen die drei Farben drei verschiedene Anwendungsbereiche. Wenn man von der roten Gentechnik spreche, meine man die Anwendung bei Zellen, Wirbeltieren und Medizin. Ein Beispiel wäre die Herstellung von Insulin (lebenswichtig für Wirbeltiere). Früher wurde Insulin aus Bauchspeicheldrüsen von Tieren gewonnen. Leider reiche dies bei weitem nicht aus. Mit Hilfe der Gentechnik sei dies kein Problem mehr. Mit der weissen Gentechnik versteht man die Anwendung in der Industrie, wie z.B. bei der Herstellung von Waschmitteln. Diese werden gentechnisch so verändert, dass Spaghetti-Flecken schon bei 40°C entfernt werden können. Bei Pflanzen spricht man von der grünen Gentechnik, also z.B. vom Anbau von gentechnisch manipuliertem Mais.

Realität und Fiktion

„Menschen mit Superkräften dank Genmanipulation wie in „X-Men“ – das ist und bleibt Fiktion!“ – Daniela Suter, Gen Suisse

In „X-Men“ kommen Menschen vor, die dank Veränderungen der eigenen Gene (Genmanipulation) Superkräfte haben. Solche „Mutanten“ zu erzeugen sei jedoch nicht das Ziel, so Suter. Jedoch könne man alleine mit Gentests bestimmen, ob ein Medikament bei einem Patienten wirke – oder eben nicht. Man könne auch herausfinden, ob man bestimmte Gene in sich trägt, die (Erb)Krankheiten auslösen könnten. Leider werde (wie im Roman „Schöne neue Welt“ von Aldous Huxley) der Traum von keinerlei Krankheitsleiden, Gesundheit und Lebensfreude bis in den Tod wohl immer Fiktion bleiben.

Genmanipulation in der Schweiz

In der Schweiz ist der kommerzielle Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen (z.B. Mais) bis November 2013 verboten. Für Herrn Paul Scherer von der SAG ist dieses Verbot gut begründbar. Die Entwicklung solcher Pflanzen sei sehr teuer, und nur grosse Konzerne würden sich dies leisten können. Vor allem Bauern würden darunter leiden, da sie wegen der Patentierung der gentechnisch veränderten Pflanzen durch die Konzerne das Saatgut jedes Jahr aufs Neue kaufen müssten.

„Unsere ganze Nahrungsmittelproduktion wird dadurch von einigen wenigen Konzernen gesteuert.“ – Paul Scherer, SAG

Ausserdem habe die Wissenschaft noch zu wenig erforscht, welche ungewollten Veränderungen im Labor manipulierte Eigenschaften bei Pflanzen in der Natur bewirken. Niemand weiss, was in 20 oder 50 Jahren passieren wird, so Herr Scherer weiter.

Nationales Forschungsprogramm NFP59

2005 wurde das nationale Forschungsprogramm NFP59 lanciert. Dieses hatte zum Ziel herauszufinden, ob gentechnisch veränderte Pflanzen umwelt- und gesundheitsschädlich sind. Dieses Forschungsprogramm kommt zum Schluss, dass keine negativen Einflüsse auf Gesundheit oder Umwelt gefunden wurden. Deshalb sei das Verbot für Frau Suter nicht mehr begründbar. Für Herrn Scherer ist wiederum klar, dass es möglich sein muss, auf natürlichem Weg Pflanzen zu züchten, die ideal für die Bedürfnisse unserer Landwirtschaft sind.

Die Genmanipulation ist und bleibt ein strittiges Thema in unserer Gesellschaft – nicht nur in der Schweiz, sondern auf der ganzen Welt. Am wichtigsten ist es, absolute Klarheit für alle zu schaffen, damit niemand mit gentechnisch veränderten Produkten in Verbindung kommt, der dies nicht will.

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